Kiefergelenkstherapie
Ratgeber und Zahnarzt-Finder für München

Bestehen zwischen dem Unterkiefer und den Oberkieferzähnen fehlerhafte Reibungskontakte, kann es im Kiefergelenk oder innerhalb der Kaumuskulatur zu Funktionsstörungen kommen. Spürbar wird dieses Defizit für Patienten, sobald sich muskuläre Verspannungen, Gelenksknacken, Kopfschmerzen und sogar Ohrgeräusche (Tinnitus) erkennbar machen. Durch eine selektive Verminderung dieser Störungskontakte verbessern sich die Symptome und können in bestimmten Fällen sogar wieder vollständig verschwinden. Die Kiefergelenkstherapie wird oft mit einer Aufbissschiene kombiniert. Nur ein einwandfreies Zusammenspiel zwischen Kaumuskulatur und Zähnen ermöglicht Langzeitstabilität im Kausystem.

Wir informieren Sie hier über die Funktionsweise, Technik, Behandlung und die Kosten der Kiefergelenkstherapie.

Funktionsweise

Im Idealfall funktionieren Kiefergelenke und Zähne im Schlussbiss. Das bedeutet, beim Aufeinandertreffen der Zähne von Unter- und Oberkiefer weisen die Zahnreihen an den Backenzähnen sowohl links als auch rechts gleichmäßige Vielpunktkontakte auf. Zur selben Zeit sollten die Kiefergelenke eine symmetrische Position zueinander einnehmen und beide Gelenkköpfe mittig in der Gelenkgrube liegen. Die Zwischengelenkscheibe wiederum nimmt physiologische Position ein. Damit die Kaumuskulatur auf beiden Seiten die gleiche Länge und Spannung hat und durch die Unterkieferbewegung beim Kauen leistungsstark bleibt, bewegt sich der Kauapparat in komplexen dreidimensionalen Bewegungen. Es ist die anatomische Zweiteilung des Kiefers, die Translations-, Rotations- und Pendelbewegungen zulässt. Gerade die komplizierten Bewegungsabläufe tragen wesentlich zur Anfälligkeit des Systems bei. 

Technik

Im Besonderen sind es muskuläre Verspannungen der Kopf- und Kaumuskulatur, die aufgrund von Stress, Emotionen oder Fehlkontakten der Zähne zu einer gestörten Okklusion führen – dem sogenannten „falschen Biss“. So wird aus medizinischer Sicht das eine Kiefergelenk zu sehr gedehnt, während jenes auf der Gegenseite zu stark komprimiert. Genau diese Dysfunktion führt zu Schmerzen am Gelenk. Doch Kiefergelenke sind sehr lange in der Lage, fehlerhafte Okklusionen der Zähne auszugleichen oder passen sich sogar an. Beide Reaktionen, Adaptionen und Kompensationen sind zwar möglich, allerdings nur in einem begrenzten Umfang. Mit der Zeit kommt es zu neuromuskulären Mechanismen, die im Weiteren eine CMD (Cranio-Mandibuläre Dysfunktion) mit unangenehmen Schmerzen ausbilden kann. 

Kiefergelenkstherapie-Experten

Ihr nächster Zahnarzt ist ganz nah in München!

Loading

Behandlung

Davor

Eine CMD-Therapie zählt zu den anspruchsvollsten Formen innerhalb des stomatognathen Systems (Gesamtheit aller Strukturen im Mund-, Kiefer-, Kopf- und Halsbereich). Aufgrund der vielschichtigen als auch umfangreichen Zusammenhänge sollten ausschließlich Spezialisten aus unterschiedlichen Fachrichtungen eine interdisziplinäre CMD-Therapie vornehmen. 

Die Kiefergelenkstherapie wird angewendet bei:

  • Rückenschmerzen
  • Kieferschmerzen
  • Knackgeräuschen
  • Kopfschmerzen
  • Nächtliches Beißen und Knirschen
  • Tinnitus (Ohrengeräusche)

Um eine CMD-Kiefergelenktherapie anzuordnen, muss Ihr Zahnarzt zuerst die Ursachen für die Kiefergelenkserkrankung selektieren: 

Falsche Occlusion: Treffen Zähne beim Beißen nicht richtig aufeinander, ergibt sich daraus eine Fehlstellung im Kiefergelenk, was eine Überbelastung an den Gelenksflächen als auch Abnützungserscheinungen zur Folge hat. Das Resultat sind Schäden am Diskus und an den Gelenksflächen.

Stress: Er führt sehr oft zum Aufeinanderpressen der Zähne und löst somit eine unbewusste, aber verstärkte Belastung des Kiefergelenks aus.

Hals- und Kopffehlstellungen: Durch das lange Arbeiten am Computer ergibt sich sehr häufig eine Nacken- und Kopffehlstellung, die über die Spannung der Kaumuskulatur zu einer dauerhaften Fehlstellung im Kiefergelenk führt.

Rheumatismus: Auch vor dem Kiefergelenk machen rheumatische Erkrankungen nicht halt und beeinflussen auf ihre spezielle Weise den Kauapparat.

Therapie

Ist die Ursache eruiert, versucht der Arzt mit unterschiedlichen Diagnoseansätzen herauszufinden, auf welche Therapieform der Patient im späteren ansprechen wird. Das kann durch eine Axiografie, manuelle Strukturanalyse, eine Modellanalyse, ein MRT (Magnetresonanztomografie) oder ein Panoramaröntgen geschehen. 

Die Kiefergelenkstherapie selbst erfolgt – egal in welcher Ausführung – einem zentralen Stück, an dessen Verwendung weitere Behandlungen geknüpft sind: die Knirscherschiene oder Aufbissschiene. Sie wird meist aus medizinischem Spezialkunststoff in weicher oder harter Ausführung gefertigt und in der Regel an den Unterkiefer des Patienten angepasst. In erster Linie soll die Schiene dem Gebiss eine neue Occlusion geben. Dadurch kommt es zur gewünschten Reaktion des Kiefergelenkes, es entspannt sich, wird entlastet und es findet eine Umprogrammierung der Muskulatur statt. Die Knirscherschiene wird, je nach Krankheitsbild, die ganze Nacht getragen und, wenn möglich auch tagsüber. Schon nach kurzer Zeit sind Verbesserungen spürbar und die Gelenkbeschwerden reduzieren sich. 

Danach

Die Knirscherschiene ist ein Hightech-Zahnersatz, der in einem Artikulator (Simulationsgerät für Kiefergelenksbewegungen) hergestellt wird. Grundlage sind die Daten aus der Axiografie. Besonders zu Beginn der Kiefergelenkstherapie sind effektive Kombinationen aus Schiene, muskelentspannenden Medikamenten, Osteopathie und Physiotherapie ein ideales Mittel möglichst viele auslösenden Komponenten und Beschwerdeverursacher in die Therapie einzubinden. Ihr Zahnarzt wird regelmäßige Routinekontrollen vorschlagen, um den Fortschritt zu überprüfen oder bei Bedarf die interdisziplinäre Zusammensetzung der Kiefergelenkstherapie breitgefächerter zu gestalten. 

Kosten

Je nach Größe, Ausführung und Herstellungsaufwand belaufen sich die Kosten für eine individuell angefertigte auf bis zu 800 Euro. Dies sind aber nur Durchschnittswerte. Die realen Kosten hängen von Ihrer individuellen Behandlung ab. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Zahnarzt beraten.

Kostenübernahme

In der Regel übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die gesamten Kosten für eine einfache und nicht adjustierte Schiene, allerdings nicht in jedem Fall zusätzliche Arbeitsprozesse des Arztes wie die Funktionsdiagnostik. Im Zweifel sollten Sie die Kostenübernahme vor Beginn der Behandlung mit Ihrer Kasse klären.

Anwendungsbereiche

Zum Schutz der Zahnsubstanz ist eine Aufbissschiene nur eine Therapieform von mehreren. Sie dient vor allem zur:

  • Reduktion Zähnepressen und Zähneknirschen
  • Abrasion: Verminderung von Substanzverlust durch mechanische Reibung 
  • Angleichung der Gelenk-, Zahn-, und Muskelfunktionen
  • Behandlung von unterbewussten, aber negativen Angewohnheiten
  • Vermeidung von Zahnkontakt des Unter- und Oberkiefers in Ruhestellung und Bewegung

FAQ

Nach dem Essen sollten Sie sowohl die Schiene als auch Ihre Zähne sorgfältig mit Zahnbürste und Zahnpasta putzen. Dadurch können Sie das Auftreten von Karies und Parodontitis verhindern. Einfacher und schneller ist die Reinigung mittels sogenannter Reinigungstabs (erhältlich in der Apotheke oder Drogerie). Dazu legen Sie Ihre Schiene in ein Glas und füllen Sie es mit klarem Wasser auf.

Das kommt ganz auf Ihre Trageroutine an. Sobald Sie Ihre Schiene täglich und durchgängig tragen müssen, beträgt die Haltbarkeit rund sechs Monate, bevor Sie diese durch Ihren Zahnarzt ersetzen lassen müssen. Wenn Sie Ihre Knirscherschiene nur nachts tragen, dann kann diese mehrere Jahre halten. Generell hängt die Haltbarkeit neben der Reinigungsroutine und Belastungsintensität auch vom verwendeten Material ab.

Harter Kunststoff erinnert Patienten eher an eine Art feste Zahnspange. Der Tragekomfort ist reduziert, jedoch gewöhnen sich die meisten Menschen schnell daran. Weicher Kunststoff hingegen ist gummiartig und wird von den meisten Patienten bevorzugt gewählt, da er mit einem weniger störenden „Fremdkörpergefühl“ assoziiert wird. Dennoch ist bei beiden Varianten nicht mit längerfristigen Beschwerden zu rechnen.

Haben Sie noch Fragen zum Kiefergelenkstherapie? Gerne beantworten wir sie Ihnen.